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~ Fort Inferno, Tage später

Die Welt war grau,

zumindest dieser Teil davon.

Neveah erwachte in der Stille, doch es war nicht die angeneh Art, die einen in Frieden und Wär hüllte, sondern eine erdrückende Dicke.

Eine Stille, schwer wie Asche, Verlust und Trauer, die sich zu dünn über die brüchige Luft spannte. Ihr erster Atemzug war flach, instinktiv angehalten.

Die Abgestandenheit des Raus, das leichte beißende Stechen in ihrer Nase, war der Geruch des Brandes, der sich weigerte zu vergehen. Ein lebendes Inferno tobte.

Dies waren Monte, in denen sie ihre feinen Sinne verfluchte und alles andere, das ihr dieses ... brennende Elend so tief fühlen ließ.

Xenon war fort, seine Bettseite kalt und unberührt. Er hatte die Flugpatrouille für die Nachtwache anführen sollen und darauf bestanden, dass Neveah zurückbleibt, um genug Schlaf zu bekomn.

Seine gütigen Absichten waren ihr wohlgesonnen, halfen ihr jedoch kaum. Sie hatte stundenlang wach gelegen und war schließlich irgendwann in den frühen Morgenstunden eingeschlafen.

Sie setzte sich langsam auf, ihr Körper fühlte sich fremd an. Der Schlaf war in Etappen gekomn, jedes Mal unterbrochen von Träun, an die sie sich nicht erinnern konnte, und von Schrzen, die sie nicht zuordnen konnte. Dies war nun schon seit einigen Tagen der Fall, und sie wollte ungern zugeben, dass sie sich daran gewöhnte.

An unruhige Nächte... und schrzvolles Erwachen.

Ihre Finger umklamrten die schmale Bettkante. Der einst polierte Steinboden unter ihren Füßen kam ihr kälter vor als sonst. Sie warf einen Blick um den Raum, eine dünne Ascheschicht bedeckte die Fensterbank.

Die gleiche Fensterbank, die ein Burghelfer abgewischt hatte, bevor sie vor einigen Stunden einschlief.

Neveah atte langsam aus, ihr Atem war bedacht.

Barfuß ging sie durch die Kamr, zog die dunklen Vorhänge beiseite, welche den Raum vom Morgenlicht abgeschirmt hatten. Die Balkontüren knarrten, als sie sie öffnete, ein schneidendes und aufdringliches Geräusch in der morgendlichen Stille.

Das, was sie begrüßte, raubte ihr den Atem, den sie so sehr zu bewahren versucht hatte.

Rauch.

Er stieg nicht auf, nicht hr. Er überzog den Himl wie eine Gewitterwolke, die vergessen hatte, sich weiterzubewegen. Alles war in aschfahlene Töne getaucht. Die Luft war vergiftet, gelblich-grau und krank, und warf ein befremdliches Licht über Inferno.

Von ihrem Aussichtspunkt hoch auf der Felskante der Burg konnte Neveah die Weiten dessen erblicken, was einst florierende Außenbezirke gewesen waren.

Einst hatte es dort Bäu gegeben, dick und lebendig mit belaubten Zweigen und gesunder Rinde. Jetzt aber waren nur noch verkohlte Stumpen übrig. Verdrehte Stäm, gekrümmt als ob sie sich vor einem unsichtbaren Ungeheuer verbeugten.

Noch imr leckten Flamn an den Wurzeln der ältesten Bäu. Der Wald brannte in Stille, kein Tosen hr, nur ein stetiges, leises Sumn sterilisierenden Todes.

Zerklüftete Narben durchzogen das Land hier und dort, von erkalteten Lavaströn tief eingegraben, die an den Rändern noch schwach dampften. Ein verbogenes Brückengerippe lag in der Ferne, halb verschlungen von geschmolzenem Gestein, die andere Hälfte baulte in Richtung einer Schlucht, fast so, als warte sie darauf, wieder aufgebaut zu werden.Und weit am Horizont, erhob sich bedrohlich der Vulkan.

Dunkel und schreckenerregend. Rauch stieg aus seiner gezackten Krone auf, seine Flanken waren aufgerissen und glühten von innen wie Adern voll geschmolzenen Blutes. Es zuckte schwach.

Lebendig. Beobachtend. Wartend.

Neveah umklamrte das Geländer fester und ihre Knöchel wurden weiß.

Sie hatte es zugelassen. Sie war zur Seite getreten und hatte der Natur ihren Lauf gelassen, das, was sie imr tun würde. Xenon hatte Recht. Magie konnte nicht alle Proble lösen.

Aber das hier, diese Konsequenzen, wogen schwerer als alles, was sie erwartet hatte.

Und das Schlimmste war, es war noch nicht vorbei.

Ein Husten hallte irgendwo im Schloss wider. Dann noch einer. Husten von Kindern. Rau, trocken, kurz – Laute, die ihr alles sagten, was sie wissen musste.

Sie ließ vom Balkon ab und kehrte ins Zimr zurück, auf dem Weg in den Waschraum, um sich auf den Tag vorzubereiten und auf all das, was er bringen mochte.

Das Wasser war klar und kalt und wohltat ihrer ausgetrockneten Haut. Glücklicherweise lag die Wasserquelle von Inferno weit genug von der Festung entfernt. Lord Kiroff hatte gesagt, dieser Ort sei gewählt worden, nachdem der letzte Ausbruch Schwachstellen bei der Anordnung lebenswichtiger Ressourcen aufgedeckt hatte.

Deshalb müssten sie sich montan keine Sorgen um die Wasserversorgung machen. Noch nicht... nicht bevor der Vulkan ganz Inferno verschlang.

Inferno war riesig. Viele Distrikte mussten überhaupt nicht evakuiert oder umgesiedelt werden. Das Höllenschloss war mit Bedacht in sicherem Abstand zum Vulkan errichtet worden.

Es sollte als Mahnung dienen. Falls der Vulkan jemals das Höllenschloss erreichen sollte, würde ganz Inferno, einschließlich der weiter entfernten Bezirke, evakuiert werden.

Neveah wusch sich langsam, ihre Gedanken schweiften ab. Sie fragte sich, was wohl in diesem Mont Keila und Lodenworth durch den Kopf ging, die scheinbar von der Erdoberfläche verschwunden waren.

Machte es ihnen auch nur im Geringsten etwas aus? Nach Jahrzehnten des Schutzes solches Unheil über die Festung zu bringen. Fühlten sie eine Spur von Schuld? Dass der Herr und die Herrin Kommandant des vierten Geschwaders womöglich der Untergang einer der zwölf Festungen von Asvar sein könnten.

Eine Festung, die zahllose Schlachten, wechselnde Dynastien und selbst die Wut der Natur überdauert hatte.

Verspürten sie kein Bedauern? Alles zu zerstören, wofür Jian so hart gearbeitet hatte, nachdem er ihnen so viel Vertrauen geschenkt hatte?

Neveah konnte es nicht verstehen. Sie dachte, das würde sie wohl nie.

’Wenn nicht jetzt... dann werden sie die Schuld fühlen. Wir werden dafür sorgen, dass sie es fühlen, wenn sie uns in die Augen sehen.’ dachte Neveahs Wolf zu ihr.

Sie kleidete sich still. Zweckmäßige Kleidung, nichts Königliches. Ein dicker Umhang, schwarz wie der Himl draußen, ihre Hände zogen die Kapuze über ihr ungekämmtes Haar. Sie wartete nicht auf Xenon.

In den letzten Tagen war er ihr ständiger Schatten gewesen, sie beobachtend, als ob er fürchtete, sie würde sich in Rauch auflösen, wenn er sie aus den Augen ließe.

Aber an diesem Morgen musste sie alleine sein.

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