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Raena lächelte sanft, ihre Augen wärmten sich, als sie ihre Aufrksamkeit wieder dem Bach zuwandte und hineinblickte. Sie beobachtete die farbenfrohen Fische, die kurz neugierig zu ihr herüberschauten, bevor sie eilig wieder davon schwamn.

Das Geräusch der Abendbrise, die das hohe Gras des Feldes zerzauste, rief ihr Agardans dröhnendes Lachen in Erinnerung. Es war zwar selten, doch sein Lachen schallte über das Schlachtfeld und stellte sich mit einer Freude, die er sich nicht nehn ließ, der Dunkelheit entgegen, der sie gegenüberstanden.

Nach der Geburt ihrer Söhne war es noch häufiger zu hören. Raenas Lächeln wurde heller, als sie sich daran erinnerte, wie er ihre Söhne hielt, je einen in jedem Arm. Trotz ihrer Größe trug Agardan sie herum, als wären sie seine kostbarsten Schätze. Seine Stim war sanft, wenn er ihnen von seinen Träun erzählte... von einer Welt, in der sie ohne Furcht aufwachsen konnten.

Ein Rascheln im Gras holte Raena aus ihren Gedanken. Sie drehte sich um und erwartete die Fae-Wachen zu sehen, die sie an den Waldrand eskortiert hatten, doch die auftauchende Gestalt war keine Wache.

"Eure Hoheit." Raena grüßte mit einer respektvollen Neigung des Kopfes. Genug, um Ehrerbietung zu zeigen, aber nicht zu tief. Agardans Ehre lastete auf ihren Schultern, und sie hatte gelernt, vor keinem Monarchen den Kopf in Unterwürfigkeit zu senken... Agardan unterstand keinem Mann, und sie ebenso wenig.

Die Hohe Königin strahlte wie imr königliche Präsenz aus. Ihr fließendes, silbernes Kleid funkelte wie Mondstrahlen. Ihr üppiges braunes Haar floss in Kaskaden über ihren Rücken und wurde von den zarten Zweigen einer verwunschenen Weide gekrönt. Und ihre Augen waren scharf und durchdringend, sie verbreiteten eine Intensität, die die Luft erkalten ließ.

"Die Einladung wurde wohlwollend aufgenomn. Agardan lässt grüßen, er wird erfreut sein zu hören, dass Ihr Euch entschieden habt." fuhr Raena warmherzig fort.

"Ihr habt ihm nichts von iner Einladung erzählt." Das wissende Lächeln der Hochkönigin war weich, doch kühl, ihr Blick auf Raena war unbehaglich prüfend.

"Agardan wurde vor Eintreffen Eurer Einladung zu dringlichen Angelegenheiten gerufen. Ich werde mich an seiner Stelle um die Sache kümrn und ihm Eure Worte nach seiner Rückkehr übermitteln." entgegnete Raena.

"Wie treu du bist, Raena." lobte die Hohe Königin. Ihr Ton war honigsüß, jedoch distanziert. "Imr an seiner Seite in jeder Schlacht, bei jeder Prüfung... man könnte fast vergessen, dass du einst die Lieblingsminnesängerin des Dunklen Lords warst."

Raenas Stirn legte sich in Falten bei diesem Gedanken an ihre Vergangenheit. Die Minnesängerin des Dunklen Lords zu sein, war keine große Ehre. Manche mochten denken, es wäre erstrebenswert, im Rat des Dunklen Lords zu sitzen, in feinste Gewänder gehüllt zu sein, Harfe zu spielen bis die Finger bluteten und die Hände zerrissen waren, ständig von Schattenwesen verfolgt zu werden... aber nicht Raena, nicht, wenn die Schrecken, die sie in jenem Turm erlebt hatte, sie jeden wachen Mont verfolgten, bis sie Agardan begegnet war.

Und selbst jetzt gab es noch Zeiten, in denen sie es nicht abschütteln konnte... die Schatten...

"ine Treue gilt inem Herrn Drachen und unserer Sache. Der Welt, von der wir träun... nicht weniger, nicht hr." antwortete Raena direkt. "Wenn Eure Hoheit nichts Wesentliches zu besprechen hat, werde ich mich jetzt zurückziehen."

Die Augen der Hochkönigin verengten sich unzufrieden und ihr Lächeln erstarb. "Die Welt, von der ihr träumt..." wiederholte sie. "Eine Welt, in der du an seiner Seite stehst. Wo sein Herz nur für dich schlägt."

Raenas Brauen zogen sich verwirrt und misstrauisch zusamn. "Eure Hoheit?"

Die Augen der Hohen Königin verdunkelten sich, ihre Stim war leise und von Bitterkeit durchzogen. "Lange bevor die Welt ihn als Helden kannte... lange bevor er der Bezwinger war, lange bevor ihr überhaupt an seiner Seite wart. Ich... Ich habe ihn geliebt. Und er sollte mir gehören."

In diesem Mont wurde die Luft schwer und die leuchtenden Farben des Waldes verblassten. Raena trat einen Schritt zurück, ein kalter Schauer kroch ihr den Rücken hinunter, als dieses Misstrauen sich zu einer Flut von Misstrauen auswuchs. "Ich...""Du hast ihn mir entwendet," zitterte die Stim der Hohen Königin vor Zorn. "Du wurdest zum Licht in seinen Augen, zum Lachen auf seinen Lippen. Selbst jetzt, in seinem Traum einer besseren Welt, sieht er nur dich. Dich, die ihm nichts geben kann!" Ihre Tötungsabsicht war spürbar in der Bosheit ihres Tones.

Raena wurde es plötzlich klar. "Eure Hoheit, Agardan gehört nicht..."

"Er gehört nicht mir?" Unterbrach die Hohe Königin sie und ihr Körper bebte vor Wut. "Er hätte mir gehören können... er hätte es getan, wenn du nicht dazwischengetreten wärest." Ihre Augen glänzten von Tränen, die sich nicht lösen wollten.

"Ich habe ihm alles geopfert! ine Treue, ine Macht... Glaubst du, das alles geschah nur, weil er mir einmal das Leben gerettet hat?"

"Ich habe ihm ine Krone versprochen! inen Thron! in ganzes Herz! Aber dann kamst du!" Sie zischte es.

Raenas Herz schrzte. Sie wusste nicht, wie sie darauf reagieren sollte, konnte jedoch das Mitleid nicht unterdrücken. "Eure Hoheit, Agardans Herz gehört ihm selbst. Niemand kann beeinflussen, wo es seine Zuneigung findet."

Die Augen der Hohen Königin verengten sich verächtlich. "Du liegst falsch." Ihre Stim war nun vollkomn kalt. "Er wird um dich trauern... er wird das Reich hassen, das dich ihm entrissen hat, und schlussendlich wird er sich mir zuwenden."

Raena blieb keine Zeit zu reagieren, denn die um sie herum lagernden Ranken erwachten plötzlich zum Leben, umschlangen ihre Knöchel und fesselten sie. Die sanfte Abendbrise verwandelte sich rasch in einen tobenden Sturm, und selbst der Sonnenuntergang wurde aus dem Himl verdrängt, ließ ihn trist und grau zurück.

Arkane... die mächtigste Magie der Erde.

"Eure Hoheit!" schrie Raena und sträubte sich gegen die Ranken, die ihren Körper hinaufkletterten, deren Dornen ihre Haut durchbohrten, ihr Blut saugten. "Was tun Sie..."

"Das, was ich schon vor einem Jahrzehnt hätte tun sollen", flüsterte die Hohe Königin, ihre Augen frei von jeglichem Mitleid. "Du wirst ihn nur davon abhalten, sein volles Potenzial zu erreichen. Seine Liebe zu dir lässt ihn Gutes im Dunklen Reich sehen... dass es noch gerettet werden kann... vergeben."

"Doch wenn du fort bist... wird er die Wahrheit erkennen. Siegen kann er nur, wenn er solche Schwächen ablegt." Ihr Ton war feierlich. Die Ranken zogen sich zusamn, umwickelten Raenas Brust und pressten ihr den Atem aus den Lungen. Schrz durchzuckte ihren Körper, scharf und gnadenlos, während die Dornen sich tiefer einbohrten.

Raena keuchte, Tränen stiegen in ihre Augen, als sich der Wald zu verdichten schien und das einst so schöne Gras nun von Bösartigkeit verdreht war. "Bitte... er braucht mich... unsere Söhne..." Ihre Stim erstarb, ihre Sicht verschwamm, als der Schrz unerträglich wurde.

Die Augen der Hohen Königin wurden weicher, ein Hauch von Schuld glitt über ihre Züge, doch er verschwand ebenso schnell wieder und wurde durch kalte Entschlossenheit ersetzt. "Er braucht niemanden außer mir. Und eure Söhne... sie werden als Helden großgezogen werden. Sie werden sein Vermächtnis weiterführen... und ich werde diejenige sein, die ihm über seinen Kumr hinweghilft."

Raenas Herz zerbrach, ein Schrei entwich ihrer Kehle, als die Ranken sich zusamnzogen und ihre Rippen zermalmten, der Schrz in ihrer Seele widerhallte.

Als die Dunkelheit näher rückte, fühlte Neveah Raenas letzte Emotionen. Den Schrz, die Trauer und die überwältigende Verzweiflung. Und mit diesem Druck platzte Neveahs Herz fast.

Die Szene explodierte in einem Ausbruch goldenen Lichts, der lebendige Wald verblasste zu Schwarz, und das Echo von Raenas letztem Atemzug blieb in Neveahs Gedanken zurück.

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