Sie verbeugten sich nicht. Mussten sie nicht. Keiner von ihnen sagte ein Wort, als sie erschienen, denn sie verstanden, was ihre Stim bedeutete.
Die Art, wie sie sie gerufen hatte – ohne Warnung oder Zeremonie – sagte ihnen alles, was sie wissen mussten.
Und sie waren nicht die Art von Frauen, die Fragen stellten, wenn sie bereits die Form dessen verstanden, was komn würde.
Lilith drehte sich langsam um, um ihnen gegenüberzutreten. Ihr Rücken war gerade, ihre Augen fokussiert, ihr Gesichtsausdruck unlesbar – aber scharf.
Sie musste nicht streng aussehen, um die Kontrolle zu behalten. Ihre Stille genügte.
Eine der Frauen trat leicht nach vorne. Sie war groß und schlank, mit grauen Augen, die wie polierter Schiefer aussahen, und einem Mund, der nie ganz lächelte.
Ihre Stim war ruhig, nur eine Stufe über leise. "Du denkst daran, die rechtschaffenen Götter zu rufen?"
Lilith blinzelte nicht. "Nein," sagte sie leise. "Ich denke daran, unsere zu rufen."
Dieser eine Satz ließ den ganzen Raum enger wirken – nicht lauter, nicht schwerer, nur enger – als ob die Wände es auch verstanden.
Eine andere Frau bewegte sich leicht – eine breitere Gestalt, dunkle Zöpfe eng um ihren Kopf gewickelt und die Schultern kantig wie jemand, der nie gelernt hatte, sich auf andere zu stützen.
Sie ließ langsam einen Atemzug durch ihre Nase entweichen. Kein Lachen. Kein Unglaube. Nur dieses scharfe Ausatn, das nschen machen, wenn sie den ersten Riss in einem Damm sehen und wissen, was als Nächstes kommt.
Lilith wankte nicht. Ihre Stim blieb gleichmäßig. "Wenn dieses Wesen alte Knochen erschüttern und aufwühlen will, was wir begraben haben, dann gut."
Ihre Hand hob sich leicht, offen und ruhig, die Finger gespreizt. Sie drehte ihre Handfläche zur blauen Flam, die ruhig in der Mitte des Raus brannte.
"Erinnern wir ihn daran, wie wahre Albträu aussehen."
Keine der Schwestern jubelte. Sie nickten nicht und flüsterten nicht. Sie mussten es nicht. Die Luft zwischen ihnen sagte bereits hr als Worte es konnten, weil sie verstanden, was sie inte.
Sie hatten Dinge gesehen, die in keinen Aufzeichnungen erwähnt wurden. Sie waren durch Kriege gegangen, die die isten nschen für Legenden hielten.
Und sie hatten die Art von Monstern begraben, die niemals hätten existieren dürfen.
Wenn etwas töricht genug war, sie wieder aufzuwecken –
Dann würden sie es empfangen.
Keine Warnungen.
Keine Gnade.
Kein Zögern.
Lilith senkte langsam ihre Hand, die Bewegung ruhig, endgültig. Sie blickte jeden der sieben der Reihe nach an, ihre Augen unnachgiebig.
Dann wandte sie sich wieder dem Steintisch zu, auf dem der Erinnerungskasten noch unberührt stand, die Flam daneben flackerte sanft.
Das Licht fing sich in ihren Augen, als sie sich umdrehte. Es ließ sie nicht leuchten. Aber es ließ etwas in ihr heller erscheinen – wie eine Zündschnur, die angezündet worden war, langsam aber stetig.
Denn sie würde nicht auf den Sturm warten.
Sie würde in ihn hineingehen.
Und weit weg, jenseits der Steinmauern des Heiligtums, draußen im sanften grauen Licht einer fernen Ebene, bedeckt von niedrigem Nebel und leisem Wind, regte sich etwas anderes als Antwort.
Niemand hörte die Glocke, als sie läutete.
Nicht laut.
Nicht auf eine Weise, die nschliche Ohren wahrnehn konnten.
Aber sie läutete trotzdem.
Ein einzelner, klarer Klang, der weit über den Schall hinausreichte und die Welt auf eine Weise durchschnitt, die nur die Alten verstanden.
Elowen hörte es.
Sie saß allein, hoch über dem Waldboden in einem weiten Pavillon, der in die Ar eines Baus gebaut war, so alt, dass er seit zehntausend Jahren keinen Nan hr hatte.
Das Holz knarrte leise unter ihr, nicht aus Altersschwäche, sondern aus Erinnerung. Ihr Gewand war sanft grün mit blauem Faden entlang der Säu gewoben – zarte Stickerei, die nur schimrte, wenn der Wind hindurchfuhr.
Ihre Haltung war still. Ruhig. Die Beine unter ihr gekreuzt, die Hände sanft auf ihren Knien ruhend. Ihre Augen waren geschlossen.
Und als die Glocke läutete, öffneten sie sich.
Langsam.
Als hätte sie es erwartet.
Der kleine Spiegel an ihrer Seite schimrte, seine Oberfläche veränderte sich lautlos. Keine Nachricht erschien. Keine Buchstaben. Keine Zahlen. Nur eine Präsenz. Eine Signatur, die sie sofort erkannte.
Lilith.
Elowen streckte die Hand zum Spiegel aus und berührte ihn mit zwei Fingern. Sie musste nicht sprechen. Es gab nichts zu sagen. Die Botschaft war kein Hilferuf. Es war kein Plan.
Es war eine Wahrheit.
Und es war genug.
Sie stand auf, nicht in Eile, nicht mit Alarm. Einfach wie jemand, der verstand, dass ihre Zeit des Stillsitzens zu Ende war.
Sie drehte sich um und ging zum hinteren Teil des Pavillons.
Und hinter ihr öffnete sich der Baum.
Er knackte nicht. Er stöhnte nicht.
Er teilte sich einfach, als wäre er imr dazu bestimmt gewesen, sich zu öffnen, als hätte er nur darauf gewartet, dass sie sich bewegte.
Sieben Stufen führten zwischen den Wurzeln hinab.
Sie stieg leise hinunter.
Unten war der Raum nicht aus Stein. Er war nicht heilig in der Weise, wie Tempel es für sich beanspruchten. Aber er hielt eine Stille, so tief, dass es sich anfühlte, als hätte selbst der Boden gelauscht.
Sie trat zum Altar in der Mitte, legte beide Handflächen flach auf seine dunkle Oberfläche. Das Holz war zunächst kalt, aber als ihre Haut darauf ruhte, begann sich eine sanfte Wär wie ein Atem nach außen auszubreiten.
Sie schloss die Augen.
Dann sprach sie klar, langsam.
"Ich rufe euch jetzt. Ihr, die inen Eid geformt habt. Ihr, die die Wurzeln seht, selbst wenn die Zweige lügen."
Nichts dröhnte. Nichts brach auf.
Aber der Boden unter ihr wurde weicher.
Und aus den Wurzeln begannen kleine Lichtfäden aufzusteigen – dünn und leuchtend wie Adern unter der Haut der Erde.
Und dann kan sie.
Drei Gestalten.
Sie kan nicht mit Blitzen oder Lärm. Sie leuchteten nicht und schwebten nicht.
Sie gingen einfach.
Langsam. Stetig. Leise.
Die erste hatte Augen wie Eis, das nie schmolz.
Die zweite hatte Haare wie geflochtene Weidenranken, Silberstränge zwischen Grün gewoben.
Die dritte schien überhaupt nicht ganz real zu sein. Ihre Gestalt flackerte, manchmal da, manchmal nicht. Imr gerade genug, um zu wissen, dass sie anwesend war, nie genug, um sie zu definieren.
Sie blieben vor Elowen stehen.
Die erste sprach, ihre Stim sanft, aber fest. "Die Botschaft war klar."
Die zweite nickte einmal. "Und zeitlich genau abgestimmt. Sie wählten den Mont, als wir nicht zusahen."
Die dritte sprach nicht.
Aber Elowen sah sie trotzdem an, ihr Blick stetig. "Wirst du an unserer Seite stehen?"
Die flackernde Frau zögerte, dann trat sie vor.
Reviews
All reviews (0)