Font Size
15px

Estelle bewegte sich geschäftig durch die Stoffkamr und wählte einige Stoffe aus, die sie über ihren Arm legte. Alle von ihr ausgewählten Stoffe waren in verschiedenen Weißtönen, wie sie bei der Herstellung von Totentüchern in der Kultur der nschlichen Bevölkerung von Fort Scabbard verwendet wurden. "inen Sie, diese Stoffe sind geeignet? Ich habe gehört, dass in der nschlichen Kultur die Familien ihre verstorbenen Lieben in diese Tücher kleiden, und zwar in bester Qualität, die sie sich leisten können. Unserer Trauerart ist anders, ich bin mit ihrer Tradition nicht vertraut", erkundigte sich Estelle bei der Schneiderin, die sie begleitete.

"ine Da hat recht mit ihrem Wissen. Ich habe es genauso gesehen," bestätigte die Schneiderin.

"Ich habe allerdings noch nie für einen nschen genäht, also kann ich nicht behaupten, es besser zu wissen", fügte die Schneiderin hinzu.

"Sie sind die renommierteste Schneiderin in ganz Scabbard und fertigen die Reitkleider für die Scabbard-Reiter an. Dies wird Ihr erstes sein... und es soll Ihr bestes werden. Fertigen Sie es mit Sorgfalt an, es ist das Einzige, was ich für das ar Kind tun kann..." Estelle brach ab und atte schwer.

"Machen Sie sich keine Sorgen, ine Da. Ich werde jedes noch so kleine Detail beachten", versicherte die Schneiderin Estelle.

Estelle nickte anerkennend, trug die Stoffe zum Tisch und legte sie behutsam darauf, mit einem schrzvollen Ausdruck in den Augen.

"Ich werde die Maße selbst nehn... Ich habe sie kaum länger als ein paar Minuten gesehen, aber ich erinnere mich nur zu deutlich an ihr Gesicht. Es wird mir lange im Gedächtnis bleiben...", murlte Estelle hr zu sich selbst als zur Schneiderin.

"ine Da muss lernen loszulassen. Der Weg eines Reiters wird mit vielen Verlusten gepflastert sein, manche Fremde, mit denen das Schicksal Sie unfreiwillig verbindet, andere Freunde und Gefährten... das ist der Weg, den Sie beschreiten", gab die Schneiderin imr noch eine Antwort.

Estelle warf der Schneiderin einen Blick zu; sie war eine Nymphe, aber diente schon seit über einem Jahrhundert im Scabbard-Turm. In diesem Jahrhundert hatte sie die Reitkleider aller Scabbard-Reiter angefertigt. Die Reiter von Scabbard vertrauten niemandem sonst als ihr, und sie nahm ihre Pflichten ebenfalls sehr ernst. Sie war praktisch ein Teil dessen, was den Scabbard-Turm ausmachte.

Obwohl die Schneiderin Estelle nicht fremd war, hatte sie nie realisiert, dass sie so viel über Drachen, ihre Reiter und den Pfad, den sie zur Erfüllung ihrer Pflichten beschritten, wusste.

"Sie sprechen, als hätten Sie selbst viel Verlust erlebt", rkte Estelle leise und behutsam an.

Die Schneiderin seufzte leise. Ihr Äußeres wirkte imr noch jugendlich, sie sah nicht älter aus als Ende dreißig, wenn man nach nschenjahren gehen würde, aber Estelle wusste, dass Nymphen eine viel längere Lebensspanne hatten und diese Schneiderin hatte sicherlich schon viel hr Tage erlebt, als sie aussehen ließ.

Und als wäre das nicht schon verräterisch genug, so zeigte der Blick in den Augen der Schneiderin, als sie diesen Seufzer ausstieß, dass sie viel von der Vergänglichkeit der Zeit gesehen hatte.

"nschen haben Erinnerungen an ihre verlorenen Lieben... wir Schneider haben Truhen voller nicht abgeholter Kleider. Kleider, die nicht hr abgeholt werden können, weil es niemanden hr gibt, der sie abholen könnte.""Sie wegzuwerfen fühlt sich wie ein Verbrechen an, sie zu behalten ist nur eine ständige Erinnerung. Der Tod eines Einzelnen trifft zu viele... jeder nsch ist mit hr Personen in Berührung gekomn, als er sich ein Leben lang erinnern kann."

"Die isten erinnern sich nicht an die Schneiderin, aber wir erinnern uns... an ihr strahlendes Lächeln, ihre erwartungsvollen Augen, das isterwerk, das sie nie zu Gesicht bekan." Die Schneiderin lächelte wehmütig.

"Reiter..., die im letzten Jahrhundert gestorben sind." Estelle murlte verständnisvoll.

"Aber wir geben weiter, mit Lehren... vielleicht kann eine engere Naht die nächste ein wenig sicherer halten. Vielleicht hält ein festerer Stoff die dunkle Magie oder die Krallen einer Bestie fern." sagte die Schneiderin und schüttelte ihren bedrückten Gesichtsausdruck ab.

Estelle schwieg einen langen Mont lang, die Worte der Schneiderin lasteten schwer auf ihr.

"Ich habe nie erkannt... Ich dachte imr, die Schrecken des Todes beschränkten sich auf den Schrz der Familie und der Hinterbliebenen."

"Aber jeden Tag begegnen wir Dutzenden von nschen, wir tauschen mit so vielen ein Lächeln aus, retten so viele Leben... jeder einzelne dieser nschen, deren Leben wir auch nur für einen flüchtigen Mont geteilt haben... diejenigen, die wir nur im Vorbeigehen treffen, teilen vielleicht den Schrz des Verlustes im Stillen... so wie ich für dieses ar Kind." murlte Estelle.

"Ich war imr wütend... darüber, wie schnell die Welt ine Mutter vergessen hat. Wie alle weitermachten, als hätte sie nie existiert, und ihr zu Ehren ein Denkmal errichteten, als könne man sie so ersetzen ... aber vielleicht war ich zu sehr von inem eigenen Schrz geblendet, um zu erkennen, dass ich nicht allein war."

"Ich habe nie erkannt, dass es vielleicht viele andere gibt, die unseren Schrz über den Verlust teilen... inst du, die Schneiderin iner Mutter hat so etwas in ihrer Truhe? Das Reitkleid iner Mutter?" fragte Estelle die Schneiderin leise.

"Hast du jemals danach gefragt? Wie es ihr ergangen ist?" Die Schneiderin fragte Estelle zurück.

Estelle zuckte sichtlich zusamn und schüttelte langsam den Kopf. Sie hatte sich nie wirklich um den Schrz anderer gekümrt, nur um ihren eigenen; sie hatte imr gedacht, sie sei die einzige, die Schrz hat.

"Es gibt viele von uns, die Teil eures Lebens sind, eurer Missionen und Pflichten als Beschützer der Festung. Die nächtelang wach bleiben, um sicherzustellen, dass jede Naht fehlerfrei ist... und doch werden wir nie erinnert... nicht von der Welt, nicht von dir." sagte die Schneiderin zu Estelle.

"Warum arbeitest du dann so gewissenhaft weiter? Warum tust du, was du tust, wenn es keinen Nutzen für dich hat?" fragte Estelle unsicher.

"Warum beschützen die Drachen die Festung? Warum schützen sie alle Völker, die bei jeder Gelegenheit gegen sie intrigieren? Warum halten sie das ganze Reich, Freund und Feind, sicher?" Gegenfragte die Schneiderin.

Estelle dachte kurz nach, bevor sie antwortete.

"Pflicht... Ehre..." sagte Estelle nachdenklich.

You are reading Die Wiedergeburt von Omega Chapter 595: Die Unvergessenen (Kap.596) on novel69. Use the chapter navigation above or below to continue reading the latest translated chapters.
Share with your friends
Library saves books to your account. Reading History saves recent chapters in this browser.
Continuous reading

You may also like

Omega's Rebirth cover
Same author

Omega's Rebirth

JHeart ·Fantasy

Whatwasworsethandeathitself?Wellitwasdyingknowingthatnoonewouldmissyou,knowingthatyourdeathwasafavourtoeveryoneyoueverknew.ThiswasexactlyhowIfeltth...

The Alpha King's Nemesis cover
Same author

The Alpha King's Nemesis

JHeart ·Fantasy

Rage...Thatwasallshefelt,ragesopowerfulitconsumedhereverybeing,dispellingallotherfeelingsbutone...theneedforrevenge.'Mine!'Zariah'swolfhadgrowledin...

No reviews yet. Be the first reader to leave one.
Please create an account or sign in to post a comment.