Neveah hatte eigentlich gar nicht vor, ein Chaos anzurichten. Sie war sich nicht sicher, was genau sie im Sinn hatte, aber es wurde ihr schnell bewusst, wie falsch ihre Entscheidung war, als sie kopfüber in König Jian hineinstürzte und gegen seine Brust prallte.
Neveah zuckte beim Aufprall zusamn und hatte erwartet, ihn umzureißen, aber König Jian zeigte sich unerschütterlich. Instinktiv umschlang er Neveahs Taille und wirbelte sie beide zur Seite, gerade noch rechtzeitig, bevor der spitze Stachel der Schattenbestie genau dort in den Boden einschlug, wo sie eben noch gestanden hatten.
Die Wucht des Anschlags riss die Erde auf und entfesselte Schattenwellen, die Bäu zum Umstürzen brachten, während Schmutz und Trümr durch die Luft wirbelten.
Neveah wurde gegen einen Baum gedrückt, und König Jians breite Statur schirmte sie komplett vor dem Tumult im Hintergrund ab. Sein linker Arm stützte sich über ihrem Kopf gegen den Baum, um ihr Gesicht zu schützen, während sein rechter Arm imr noch fest um ihre Taille gelegt war.
Neveah hatte ihre Augen vor Schreck fest verschlossen und als sie langsam wieder öffnete, blickte sie direkt in jene unterschiedlich gefärbten Augen, die auf sie gerichtet waren.
Die langsan und irgendwie imr noch ruhigen Atemzüge von König Jian streiften Neveahs Gesicht, so nah waren sie sich, ihre Gesichter nur wenige Zentiter voneinander entfernt.
Neveahs Ar waren gegen seine Brust gepresst, wo sie feststellte, dass sie seine Robe umklamrt hielt.
Langsam lockerte Neveah ihren Griff und senkte ihren Blick auf die Falten, die sich durch ihren festen Griff auf seiner Robe gebildet hatten. Sie starrte sie an, als wären sie das Interessanteste, das sie je gesehen hatte – einfach, weil sie den intensiven Blick von König Jian nicht ertragen konnte.
Und Neveah wusste nicht, wie sie mit dieser Situation umgehen sollte, in die sie sich selbst gebracht hatte.
Irgendwo hinter ihnen schrie die Schattenbestie wütend und verwüstete den Wald auf verzweifelter Suche nach ihnen, sodass noch hr Zerstörung und Trümr um sie herum aufgeworfen wurden.
"Jeder flieht vor der Gefahr, aber du hast dich entschieden, ihr bei jeder Gelegenheit hinterherzujagen. Soll ich das Mut nennen? Oder Dummheit?", fragte König Jian schließlich, sein Tonfall dunkel und missbilligend.
Neveah zuckte zusamn, da sie absolut keine Worte hatte, um König Jians Aussage zu widerlegen.
"Ich... ich dachte...", begann Neveah und brach ab, als König Jians Blick sich verfinsterte.
"Dass ich nicht berkt hätte, dass das Biest mir auf den Fersen war? Wie wahrscheinlich ist denn das?" entgegnete König Jian trocken.
Neveah zuckte sichtlich zusamn und nickte langsam, als sie endlich darüber nachdachte. Es war unmöglich, dass König Jian nicht von dem Angriff wusste.
Es war für Neveah so plötzlich gekomn, dass sie in Panik geriet, aber jetzt, wo sie darüber nachdachte, konnte sie erkennen, dass König Jian die Schattenbestie längst gespürt hatte, vielleicht sogar bevor sie Xenon durch das Portal führte.
"Du wusstest, dass es komn würde... deshalb hast du gesagt, es wäre besser, alleine klarzukomn...", erkannte Neveah schließlich.
"Ich sehe nun nicht hr so alleine aus, findest du nicht?", fragte König Jian spitz.
Neveah zuckte erneut zusamn, denn sie konnte selbst sehen, wie sie alles vermasselt hatte. Das Portal war zusamngebrochen, und nun war sie eine überflüssige Anwesenheit in der bevorstehenden Schlacht, eine Ablenkung, die König Jian nicht in seiner Nähe brauchte."Ich..." begann Neveah, doch bevor sie ihren Satz beenden konnte, spritzte eine war Flüssigkeit in ihr Gesicht. Neveahs Augen weiteten sich, und als sie hochblickte, sah sie, wie die Spitze eines Schattenstachels sich durch König Jians Schulter gebohrt hatte; die war Flüssigkeit war in der Tat sein Blut. "Euer Gnaden!" rief Neveah entsetzt aus.
"Still jetzt, schrei nicht. Es hat imr noch keine Ahnung, wo wir sind", sagte König Jian, seine Stim angespannt, während der Stachel wieder herausgezogen wurde und er stark aus seiner Schulter blutete.
"Das... warum..." stotterte Neveah.
Sie hätte fragen wollen, warum König Jian dem Angriff nicht ausgewichen war, doch als sie sich umsah, verstand sie es sofort. Überall lagen umgestürzte Bäu, und es gab keine Möglichkeit, sich schnell genug zu bewegen, um dem Angriff zu entkomn. König Jian hätte es vielleicht allein geschafft, aber mit Neveah war das komplizierter. Wäre König Jian ausgewichen, hätte sie von dem Stachel getroffen werden können, also blieb er stehen.
Schuldgefühle drückten auf Neveahs Herz. "Du hättest mich ignorieren und dich bewegen sollen. Ich kann auf mich selbst aufpassen...", begann Neveah, doch König Jian unterbrach sie.
"Es geht dich nichts an, dich um in Wohlergehen zu sorgen. Was bedeutet es dir, wenn ich von der Anwesenheit des Biests hinter mir nichts wusste? Was bedeutet es dir, wenn ich im Lichthof hätte vergiftet werden sollen? Wer bist du, um dich um ine Sicherheit zu kümrn?"
"Und hier bist du... tust das Letzte, was von dir erwartet wird... wie imr", erinnerte König Jian Neveah.
Mit König Jians Erwiderung konnte Neveah seine Entscheidung, sie zu schützen und sein Leben zu riskieren, kaum in Frage stellen. "In Kürze wird es in seiner Wut nachlassen, und seine Sinne werden schärfer werden."
"Ich werde dich zur Höhle bringen, bevor es uns berkt. Diesmal... bleib stehen. Wenn ich dich mit deinem Gerechtigkeitssinn oder was auch imr im Schlepptau hinter mir herstürn sehe... werde ich dich dem Biest zum Fraß vorwerfen", stellte König Jian klar.
Ein Schauer überlief Neveah bei dieser Drohung, und sie wusste, dass er durchaus in der Lage war, genau dies zu tun.
"Ich will, dass du mir sagst, dass du mich verstehst, Neveah. Andernfalls werde ich dir nicht glauben", bestand König Jian.
"Ich werde mich keinen Milliter bewegen", versprach Neveah.
König Jian brummte zufrieden, und schließlich lehnte er sich zurück. Mit seinem Arm noch imr um Neveahs Taille geschlungen, bewegte er sich mit atemberaubender Geschwindigkeit, steuerte durch die vom Biest verursachte Verwüstung und zwar so schnell, dass Neveah selbst das Biest nicht erblickte – und sie war sich sicher, dass es dem Biest genauso erging.
Es war eine Erkenntnis, die Neveah schon längst hätte haben müssen, aber es dämrte ihr erneut: Selbst hier draußen in unbekanntem Terrain war der Drachenkönig imr einen Schritt voraus – vor allen anderen.
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