~Neveahs Kindheit~
Die vierjährige Neveah versteckte sich voller Angst zitternd hinter einem Rosenbusch im Hof des Eclipse-Palastes.
Die Rosenstachel schnitten in ihre Haut, als sie sich in die engen Büsche zwängte. Jeder Schnitt brachte Neveah zum Weinen und sie kämpfte darum, ihre Schrzensschreie zu unterdrücken.
"Oga! Komm sofort hierher!" rief Prinz Alessio und stampfte verärgert mit dem Fuß. Seine Augen suchten den Hof nach der kleinen Neveah ab.
Seine Freunde umringten ihn, ihre Augen glänzten vor Aufregung. Sie wollten sehen, wie Prinz Alessio das uneheliche Kind wieder zurechtwies.
Neveah schauderte vor Angst bei dem Gedanken, eine weitere Runde von Prinz Alessios Prügeln über sich ergehen lassen zu müssen.
Prinz Alessio, fünf Jahre älter als sie, hatte schon früh damit begonnen, seine übernatürlichen Fähigkeiten zu schärfen, in Vorbereitung auf den Mont, in dem der Schöpfer ihm seinen Wolf geben würde.
Er war der hellste Stern der jungen Generation des Eclipse Fang Rudels, des Alpha-Königs und des gesamten Eclipse-Gebiets.
Mit neun Jahren konnte er schon einige Kriegerwölfe im Kampf besiegen und die Fährtenleser lobten seine scharfen und wachsan Sinne.
Die Geschwindigkeit von Prinz Alessio übertraf sogar die der isten Krieger, und seine Stärke war ebenfalls beeindruckend. Er stellte jedes angeborene Talent eines Wolfswandlers zur Schau und galt als Wunderkind.
Neveah hingegen zeigte keine Anzeichen für besondere Fähigkeiten. Da ihre Mutter ein nsch war, konnte man davon ausgehen, dass sie nichts von den Genen ihres Vaters geerbt hatte.
Die Wolfsgestalten des Eclipse Fang Rudels freuten sich über diese Schlussfolgerung. Vielleicht machte es das für sie akzeptabler, dass ihr geliebter Alpha-König ein uneheliches Kind mit einer nschenfrau gezeugt hatte.
"Komm jetzt raus, du abscheuliches Bastardkind!" brüllte Prinz Alessio, als Neveah sich imr noch nicht aus ihrem Versteck traute.
Neveah war dankbar, dass Prinz Alessio seinen Wolf noch nicht hatte. Hätte er ihn, hätte er ihr Versteck längst gefunden.
Obwohl seine Fähigkeiten zum Aufspüren und sein Geruchssinn noch nicht voll entwickelt waren, war er imr noch ein Kind. Nach hundert erfolglosen Versuchen, sich vor ihm zu verstecken, nur um am Ende noch stärker verprügelt zu werden, hatte Neveah dieses Versteck im Hof gefunden.
Der starke Duft der Rosensträucher und der anderen Blun, die den Hof erfüllten, würde es Prinz Alessio schwer machen, sie mit seinem feinen Geruchssinn aufzuspüren.
Auch wenn es schrzhaft war, hrmals am Tag oder manchmal tagelang von den Stacheln des Rosenstrauchs durchbohrt zu werden, wenn sie sich vor Prinz Alessio verstecken musste,
wusste Neveah, dass es eine viel bessere Option war, als eine weitere von Prinz Alessios Prügeln über sich ergehen zu lassen.
Prinz Alessio war viel stärker als jedes Kind es sein sollte. Wenn er sie schlug, dann zur Freude und zum Gespött seiner Freunde.
Neveah verbrachte den Rest der Woche in unerträglichen Schrzen, ihre Gliedmaßen waren verdreht und ihr ganzer Körper war übersät mit blauen Flecken.
Da Neveah ein uneheliches Kind und von allen verachtet wurde, durfte sie nicht einmal die Dienste des Rudeldoktors in Anspruch nehn, wenn sie krank war oder Schrzen hatte. Sie musste das Leiden alleine durchstehen.
Das war so, bis die Alpha-Königin ihre eigene Folterrunde durchführte. Sie schickte jemanden, um Neveah aus dem elenden Zimr zu holen, das ihr zugewiesen worden war,
Sie befahl dann einem Kriegerwolf, Neveahs verdrehte Gliedmaßen brutal wieder in die richtige Position zu bringen, nur um sie dann erneut zu brechen.
Der Schrz war etwas, das kein nsch ertragen sollte, doch die junge Neveah war gezwungen, diesen Schrz hrmals pro Woche zu ertragen. Allein der Gedanke an eine weitere Runde verängstigte sie.
Neveah schwor sich, nie wieder aus diesem Rosenbusch herauszukomn. Sie schwor es so inbrünstig, wie sie es schon viele Male zuvor getan hatte.
Aber Hunger und Durst setzten sich imr durch und zwangen Neveah aus ihrem Versteck heraus, direkt in die wartenden Hände ihrer Peiniger.
"Komm sofort heraus, oder du wirst es bereuen!" drohte Prinz Alessio.
Neveah schüttelte vehent den Kopf, drückte ihre Knie an ihre Brust und wiegte sich langsam hin und her, um sich zu beruhigen und die drohenden Schluchzer zurückzuhalten.
"Prinz Alessio! Die Königin möchte, dass ihr zusamn in ihrem Quartier speist!" rief eine Stim, die Neveah als ihre Gouvernante erkannte, Prinz Alessio zu.
"Ich kann jetzt nicht! Sagen Sie iner Mutter, dass ich beschäftigt bin! Ich muss dieses Bastardkind finden und ihr eine Lektion erteilen!" antwortete Prinz Alessio abweisend und suchte weiter den Hof nach Neveah ab.
Neveah wusste jedoch, dass er niemals die Rosensträucher durchsuchen würde, denn er mochte es nicht, sich ihnen zu nähern, weil die Stacheln ihm Schrzen zufügten.
Genau deshalb war dies das perfekte Versteck für Neveah. Niemand würde vermuten, dass sie sich tatsächlich in einem Busch voller Dornen versteckte.
"Schon gut, Prinz Alessio. Der dum Köter wird verhungern, wo auch imr sie ist, und dann ist sie aus eigenem Willen weg." beschwichtigte Neveahs Gouvernante Prinz Alessio in katzbuckelndem Ton.
"Aber sie hat ine Bücher angefasst!" bestand Prinz Alessio wütend.
"Sie sind für sie nutzlos, in Prinz. Sie kann kaum ihren eigenen Nan schreiben, wie soll sie dann lesen können?" lachte Neveahs Gouvernante spöttisch.
Neveahs Herz sank bei den Worten ihrer eigenen Gouvernante, aber sie wusste schon lange, dass selbst die Gouvernante, die sie aufgezogen hatte, der Alpha-Königin treu war und Neveahs Existenz verabscheute.
"Wenn du dich dann besser fühlst, schicke ich die nutzlose Kreatur zu dir, sobald ich sie sehe. Und jetzt komm, wir sollten die Königin nicht zu lange warten lassen." riet Neveahs Gouvernante.
Neveah hörte die sich entfernenden Schritte, als ihre Gouvernante Prinz Alessio und seine Freunde wegführte. Endlich konnte Neveah den Atem loslassen, den sie angehalten hatte.
Wieder einmal war es Neveah gelungen, Prinz Alessios Zorn zu entgehen. Aber sie fragte sich, wie lange sie noch versteckt bleiben könnte, bis man sie fand und es keine Verstecke hr gäbe.
Genau in diesem Mont knurrte Neveahs Magen vor Hunger. Sie hatte seit dem Vortag nichts hr gegessen und es war bereits später Nachmittag.
Ihre Gouvernante wusste das und war sich sicher, dass Neveah keine andere Wahl haben würde, als früher oder später herauszukomn.
'Nein... Ich kann nicht rauskomn, ich werde nicht rauskomn.' schwor Neveah und drückte ihre Knie noch fester an ihre Brust.
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